SchülerInnen schreiben über sich – „Wer bin ich?“

Im Rahmen der Unterrichtsreihe „Wer bin ich? – Identität in literarischen Texten“ haben sich die SchülerInnen des EF-Kurses von Frau Costanza im Fach Deutsch kreativ mit der Frage auseinandergesetzt, wer sie sind, was sie bewegt und wie sie sich selbst wahrnehmen. 

Ausgehend von Julia Engelmanns Poetry Slam „One day“ war die Aufgabe, ein kurzes Gedicht oder einen poetischen Text zu verfassen, der die eigene Stimmung, Gedanken oder Erfahrungen ausdrückt. 

Entstanden sind sehr persönliche, nachdenkliche und zugleich kraftvolle Texte, die zeigen, wie vielfältig Identität sein kann – zwischen Selbstzweifel und Zuversicht, Angst und Stärke, Leere und Lebendigkeit. 

Text: R. Costanza 

Zwischenräume (2025), anonym

Ich stehe irgendwo,
zwischen geht schon
und gar nicht klar,
ein Fuß im Sonnenlicht,
der andere im Schatten meiner Gedanken.

Mir geht’s gut,
sagen sie,
und ich nicke.
Weil Nicken leichter ist als Erklären.
Aber gleichzeitig zieht da etwas
an meinen Rippen,
ein unsichtbarer Faden,
der flüstert:
Achtung, da kommt was.
Auch wenn vielleicht gar nichts kommt.

Ich habe Stress,
so viel Stress,
dass mein Kopf vibriert
wie eine Neonröhre kurz vor der Explosion.
Und gleichzeitig
ist da Leere,
eine Stille,
so laut,
dass sie mir die Ohren füllt.
Wie kann man brennen
und frieren
zur selben Zeit?

Ich habe Angst
vor der Vergangenheit,
vor ihrem Echo,
das sich in mir festgesetzt hat
wie ein Nachhall,
der nie ganz verklingt.

Angst, dass sich die alten Szenen
noch einmal abspulen,
als wäre mein Leben
eine Repeat-Taste,
die ich nicht gedrückt habe.

Und dann
sind da Menschen,
die mein Herz halten,
mal sanft,
mal so fest,
dass es fast weh tut.

Einer meiner besten Freunde,
ein Anker,
ein Leuchtturm.
Und mein Liebhaber,
der mein Chaos kennt
und trotzdem bleibt.

Oder?
Bleibt er?
Bleiben sie?
Bleibe ich?

Ich habe Angst,
zu verlieren,
was mich hält
und gleichzeitig

Angst,
dass es mich zerdrückt.

Ich bin ein Widerspruch
auf zwei Beinen,
ein Balanceakt
zwischen Hoffnung
und Herzflattern.
Zwischen
„Ich pack das“
und
„Bitte halt mich fest.“

Aber hier stehe ich.
Noch.
Immer noch.
In meinen Zwischenräumen.
Und vielleicht
bin ich genau dort
am lebendigsten.

Gefüllte Leere (2025), anonym

Leere, wo man sich fragt: warum?

Leere – ich frage mich: wie lang?

So viele Gedanken, aber ohne jegliche Bedeutung.

 

Leere – Lachen, um sie zu verstecken.

Leere – ich fühle mich wie ein schwarzes Loch,

die Gedanken mit Angst erfüllt.

 

Ablenkung, um den Gedanken zu entfliehen.

Ablenkung, um Spaß zu kreieren,

dem schwarzen Loch zu entkommen.

 

Wer bin ich? (2025), anonym

Ich suche, ich experimentiere,

ich finde. Und doch

ist es nicht die Antwort

auf die Frage:

„Wer bin ich?“

 

Verschlossen wie ein

hermetisches Tor,

und doch neugierig

auf Dinge,

die umherfliegen.

 

Ich komme und gehe,

ich pflege, ich stehe.

Ich suche und fluche,

wie in einer Sackgasse

auf beiden Seiten.

 

Auf die Frage:

„Wer bin ich?“

gibt es nur einen,

die diese klärt.

 

Denn wer, wenn nicht

Ich,

kann sie beantworten?!